Reisebericht Iran

Von Marga Beckstein

Was?? Ihr wollt in den Iran reisen? Ist das nicht gefährlich? Fragen, die nicht nur uns, sondern vielen anderen aus unserer Reisegruppe zu Hause gestellt wurden. Um es ganz klar zu sagen: Nein. Es ist nicht gefährlich. Nicht nur in der organisierten Gruppe, auch als Privatreisende kann man sich sicher in diesem Land bewegen. Aber die religiösen Vorschriften? Da ist man doch eingeschränkt, überwacht, kontrolliert. Nun ja, auch dort, wo es warm ist, brauchen Frauen langärmelige Tunikas, lange Hosen, Kopftücher. Aber ein feiner Chiffonschal tut es. Und ja, es gibt keinen Alkohol. Aber das finde ich erträglich. Denn das, was Reisende im Iran erwartet, lässt diese Einschränkungen leicht verschmerzen.

Iran ist ein landschaftlich wunderbar vielfältiges Land. Verschiedene Gebirgszüge teilen Regionen ein. Da gibt es dauerhaft schneebedeckte Gipfel, bizarre Gesteinsformationen, vielfarbige Schichten und Flöze. Fruchtbare Ebenen mit riesigen Plantagen aber auch unendliche Wüsten, sandverweht, steinig, lebensfeindlich. Immer wieder aber kommt man auch durch Dörfer, zu gut ausgebauten Raststationen, in Städte mit ganz unterschiedlichen Charakteren und zu Sehenswürdigkeiten der unterschiedlichsten Art. Um Vieles zu sehen, muss man lange Fahrten – allerdings auf guten Straßen – in Kauf nehmen, auch den einen oder anderen Flug.

Iran ist ein geschichtlich und kulturell hochinteressantes Land. Das, was man vielleicht aus dem Geschichtsunterricht in Erinnerung hat, ist ein Bruchteil dessen, was man sogar in 14 Tagen erfahren und bestaunen kann. Ruinen, Ausgrabungen, Paläste, Skulpturen und Inschriften lassen Hochkulturen lebendig werden, die auch in geistiger, in politischer und sozialer Hinsicht verblüffen. Was aber jeden Besucher in Bann schlägt ist die Architektur und Kunst einesteils des alten Perserreiches – dafür steht der Name Persepolis – aber auch der islamischen Welt – dafür stehen Isfahan und Mashhad. Die Pracht der Moscheen und Heiligtümer mit ihren Mosaiken und Kalligrafien, mit Lehmdekoren, mit Kuppeln und Minaretten lassen sich nicht in Worte fassen. Und die perfektesten Fotos verblassen vor der Wirklichkeit.

Als Bedenken gegen eine Iranreise wird immer wieder das politische System ins Feld geführt. Wird das nicht durch Tourismus gestützt, gestärkt? Sind die Iraner westlichen Besuchern gegenüber nicht feindselig eingestellt? Wer eine Reise durch Iran erlebt hat, stellt diese Fragen nicht mehr. Noch in keinem anderen Land habe ich so viel Offenheit, Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen auf der Straße uns Touristen gegenüber erlebt. Als ich in Teheran (wegen zu eifrigen Fotografierens) den Anschluss an die Gruppe verlor und etwas ratlos an einer mehrspurigen stark befahrenen Straße stand, nahm mich eine ältere Frau im Tschador an die Hand und lotste mich auf die andere Straßenseite, nickte mir kurz freundlich zu und trat den Rückweg durch das Autogewühl an. Von aufgeschlossenen Kontakten, interessierten Fragen und Gesprächen und gemeinsamen freundlichen Fotos werden alle Reiseteilnehmer erzählen – Erlebnisse, die auf Hoffnung für die Zukunft machen.

Mein Fazit? Iran ist nicht nur eine Reise wert.
Marga Beckstein