Friedenspreisträger 2010: Lothar de Maizière

Friedenstaube für Lothar de Maizière

Auszeichnung Ex-Politiker erhält Scheidegger Friedenspreis - Öffentlicher Festakt im Kurhaus

Preisträger Lothar de Maizière Preisträger Lothar de Maizière

Der ehemalige Bundesminister für besondere Aufgaben und zugleich letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, erhält den diesjährigen Scheidegger Friedenspreis. In einer Feierstunde am Montag, 4. Oktober, im Kurhaus wird der Cousin des derzeitigen Bundes Innenministers die weiße Porzellantaube entgegennehmen. Zuvor wird in der Hubertus-Kapelle im Scheidegger Ortsteil Forst das ökumenische Friedensgebet gefeiert. Lotbar de Maizière ist die zweite Persönlichkeit, die mit dieser erst im Jahr 2009 ins Leben gerufenen Auszeichnung geehrt wird Im vergangenen Jahr erhielt der evangelische Theologe und Politiker Rainer Eppelmann den Scheidegger Friedenspreis. Die Preisverleihung wird heuer allerdings um einen Tag nach hinten verschoben, da de Maizière am 3. Oktober in Berlin am offiziellen Festakt anlässlich des 20. Jahrestages der deutschen Einheit teilnehmen wird.

Gremium bestimmt Preisträger

Wer als Preisträger in Frage kommt, wird von einem Gremium beschlossen, dem neben dem Stifter des Preises, Manfred Przybylski, auch die beiden Ortsgeistlichen Pater Austin Abraham und Pfarrerin Ingrid Ossig sowie jeweils ein Vertreter der im Gemeinderat vertretenen Fraktionen angehören. Für die CSU ist dies Thomas Heim, für die Freien Wähler Georg Höß und für die SPD Hans Rädler. Ursprünglich war es nicht geplant, den Friedenspreis jährlich zu vergeben, aber Stifter, Initiator und Hauptorganisator Manfred Przybylski geht die Sache pragmatisch an: "Wir haben schließlich noch eine Menge Leute zu ehren." Der 70-Jährige, der seit einiger Zeit im Ortsteil Lindenau lebt, war früher Geschäftsführer des Tagungszentrums der Konrad-Adenauer-Stiftung am Corner See und hält nach wie vor engen Kontakt zur Politik.

"Lotbar de Maiziere hat wesentlich dazu beigetragen, auf friedliche Art und Weise einen ganzen Staat zu verändern. Mit der Verleihung des Friedenspreises wollen wir diese damals gezeigte Motivation auch der jungen Generation vermitteln. Schließlich geht nichts über Zeitzeugen und Authentizität", so Manfred Przybylski. Auch bei Bürgermeister Ulrich Pfanner stößt die diesjährige Auswahl auf Zustimmung: "De Maizière war in diesen bewegten Monaten ein wesentlicher Partner, dass ein friedlicher Übergang zustande gekommen ist. Er verkörpert einen Politikertyp, der damals fast Übermenschliches hat leisten müssen."

Dieser Text von Manfred Sendlinger erschien am 01. Oktober 2010 im Westallgäuer.


Zur Person Lothar de Maizière

Lothar de Maizière war vom 12. April bis 2. Oktober 1990 der erste demokratisch gewählte, zugleich aber auch der letzte Ministerpräsident der DDR.

Zwischen dem 3. Oktober und Mitte Dezember 1990 hatte der heute 70-Jährige in der Regierung von Helmut Kohl das Amt des Bundesministers für besondere Aufgaben inne. Dann trat de Maizière als Bundesminister wegen ungeklärter Vorwürfe bezüglich angeblicher Stasi-Kontakte zurück.

Zudem war de Maiziere auch Landesvorsitzender der CDU in Brandenburg sowie erster stellvertretender Vorsitzender der gesamtdeutschen CDU.